Claus Hilger
 
 
Zustandsbeurteilung Starrer Endoskope

Methoden und Instrumente für das optische System
 
 

Determining the Condition of Rigid Endoscopes

Methods and Instruments


 
 
Starre Endoskope trüben nach einiger Betriebszeit ein, d.h. der ehemals brillante, klare und scharfe Bildeindruck geht verloren. Bilder werden als trübe oder milchig eingeschätzt. Verschiedene, die Bildqualität einer Optik bestimmende Parameter, verändern sich offenbar im Laufe der Zeit.
 
 

Als Ursache für das Auftreten von Bildeintrübungen werden von den Herstellern gewöhnlich mechanische Beschädigungen der Linsen des optischen Systems (Linsenbrüche) genannt. Diese Einschätzung läßt sich auch häufig durch vorliegende Beschädigungen am äußeren Hüllrohr belegen. Solche Schäden führen vielfach zu Beschädigungen des optischen Systems, z.B. in Form von Linsenbrüchen und damit zu einer Veränderung relevanter optischer Eigenschaften (Bildschärfe, Kontrast) sowie zu einer Verringerung der Bildhelligkeit (Nachlassen der Transmission). Diese Einschätzung ist, sofern tatsächlich Linsenbrüche vorliegen, sicherlich korrekt und nachvollziehbar.
 
 

Neben mechanischen Einflüssen, die eine Optik schädigen können, existieren jedoch auch Verschleiß- und Alterungseinflüsse, die den Bildeindruck des sichtbaren Bildes ähnlich beeinflussen wie ein gering ausgeprägter Linsenbruch. Diese Zusammenhänge werden im Reparaturfall weniger häufig genannt.
 
 

Da es von nennenswerter Bedeutung für die Höhe der Reparaturkosten ist, ob ein Linsenbruch vorliegt oder nicht, besteht in den Krankenhäusern ein Bedarf an Testverfahren für das optische System Starrer Endoskope.

After a certain period of use rigid endoscopes become dull which means that the former brilliant, clear and precise picture impression has deteriorated. The image appears dull and milky. Various parameters which determine the picture quality apparently change within a certain period of time.
 
 

The manufacturers see the cause for such dullness usually in mechanical damages of the lenses of the optical system. This evaluation is also often confirmed by the damage of the outer tubing. Such damages often lead to damages of the optical system i.e. cracked lenses and therefore resulting in a change of relevant optical qualities (focus, contrast) as well as the reduction of picture brightness (decline of transmission). This evaluation is surely correct and comprehensible.
 
 

But besides mechanical influences which can damage an optical system there are also wear and tear factors which can influence the picture quality just like a broken lens. These coherences are not named very often in case of repair.

Since the amount of the repair is substantially influenced by whether a lens is cracked or not, there is a demand for a method to test the condition of optical systems of rigid endoscopes at hospitals.


 

1. Einführung

2. Grundsätzlicher Aufbau Starrer Optiken

3.Verhalten bei Biegebeanspruchung

4. Prüfverfahren für das optische System

5. Zusammenfassung und Beurteilung
 
 
 
 
 
 

1. Einführung

Erfahrungsgemäß liegen bei fast allen Optiken nach einiger Betriebszeit mechanische Beschädigungen insbesondere am äußeren Hüllrohr des Endoskops vor. Diese resultieren beispielsweise daraus, daß das Endoskop gegenüber dem Operationsschaft, über den das Endoskop eingeführt wird, verkantet. Je nach Stärke der Verkantungen werden so elastische oder plastische Verformungen am äußeren Hüllrohr verursacht. Plastische Verformungen sind äußerlich visuell nachweisbar, elastische nicht.
 
 

Je nach Lage der Schadensstelle – bei Lage in einem Bereich, bei dem im Endoskopinneren eine Stablinse aus optischem Glas angeordnet ist oder nicht – kann das optische System durch den mechanischen Einfluß beeinträchtigt werden oder nicht. Dies bedeutet, daß bei vorliegenden äußeren Beschädigungen am Hüllrohr eine optische Beeinträchtigung die Folge sein kann. Sie kann jedoch auch bei anderer Lage relativ zu den Stablinsen folgenlos für die optischen Eigenschaften sein.
 
 

Liegen am äußeren Hüllrohr keine visuell feststellbaren Beschädigungen vor, kann jedoch andererseits noch nicht darauf geschlossen werden, daß die inneren Linsen frei von Linsenbrüchen sind, weil eine mechanische Belastung für das äußere Hüllrohr im elastischen Bereich abgelaufen sein kann. Wenn jedoch eine Glaslinse im verformten Bereich angeordnet war, wird diese geschädigt werden.
 
 

Hieraus folgt, daß die visuelle Prüfung des Äußeren eines Starren Endoskops nicht geeignet ist, auf Beschädigungen des optischen Systems zu schließen.
 
 

Beide Schadensursachen stellen sich bei Beurteilung des sichtbaren Bildes häufig gleich dar: Bilder erscheinen trübe. Eine Differenzierung nach der Ursache ist notwendig, um die korrekte Einstufung in die jeweiligen Reparaturklassen zu überprüfen.
 
 

2. Grundsätzlicher Aufbau Starrer Optiken
 
 

Der grundsätzliche Aufbau einer Starren Optik (Laparaskop, 10 mm) ist in Bild 1 dargestellt. Die Linsen des optischen Systems werden im inneren Hüllrohr geführt und mit Distanzhülsen auf Abstand gehalten. Das innere Hüllrohr ist distal mit dem Ablenkprisma abgeschlossen (das u.a. die Blickrichtung bestimmt) und proximal mit dem Objektiv.
 
 

Es wird eingeschlossen von dem äußeren Hüllrohr, in dem sich der Lichtleiter befindet, sowie der Lichtleitkabel angeordnet ist. Dieses Teil wird distal von der Decklinse abgeschlossen, proximal ist die Okularabdeckung angebracht. Eine der wesentlichen Eigenschaften dieser Komponente ist u.a. die Abdichtung der inneren Teile gegenüber eindringende Fremdstoffe.
 
 
 
 
 
 
 
 

3. Verhalten bei Biegebeanspruchung
 
 

Wird ein solches stabförmiges Gebilde durch Biegung beansprucht, wird die biegeinnere Seite gestaucht, die biegeäußere Seite gedehnt. Die Lage der Linsen im inneren Hüllrohr ist relativ starr. Sie können nicht oder kaum in axialer Richtung ausweichen. Insofern pressen die Abstandhülsen bei dieser Belastung gegen den Linsenrand. Bei größeren Belastungen treten in der Folge Linsenbrüche ausgehend vom Randbereich auf (vgl. Bild 2).
 
 

Linsenbrüche im Randbereich werden häufig nicht als Beeinträchtigung wahrgenommen. Diese Schäden führen im Reparaturfall zu Diskussionen über die korrekte Einstufung in die einzelnen Reparaturklassen ("Die Optik war doch nicht blind, das hätte ich doch gesehen – Ein Linsenbruch kann also gar nicht vorgelegen haben").
 
 

Ein massiv ausgeprägter Linsenbruch ist auf dem Deckblatt abgebildet. Solche Schadensbilder sind nicht zu übersehen. Diese Optiken werden als "blind" bezeichnet.
 
 

Es soll an dieser Stelle keine Abhandlung über das Belastungsverhalten Starrer Optik verfaßt werden. Auf weitere Überlegungen zu diesem Thema wird daher verzichtet.
 
 

4. Prüfverfahren für das optische System
 
 

Es sollen die mir bekannten Prüfmethoden dargestellt werden, mit denen der Zustand des optischen Systems beurteilt werden kann. Darüber hinaus existieren nach meinem Kenntnisstand keine Verfahren, die im Feld und außerhalb der Herstellerorganisation angewandt werden können.
 
 
 
 

4.1. Beurteilung des sichtbaren Bildes
 
 

Das Verfahren, Optiken zur Prüfung auf ein Referenzobjekt zu richten und nach diesem Bildeindruck auf den Zustand der Optik zu schließen, ist verbreitet und bekannt. Es wird fast ausschließlich und als alleiniges Mittel zur Qualitätskontrolle im Feld praktiziert.
 
 

Erfahrungsgemäß erfordert diese Methode sehr erfahrenes und routiniertes Personal. Defekte lassen sich nur in größerer Ausprägung beurteilen.
 
 

Dieses Verfahren soll – weil hinreichend bekannt - nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
 
 
 
 

4.2. Transmissionsmessung
 
 

Ein Prüfverfahren zur Bestimmung des Transmissionsgrades einer Optik besteht aus einen Leuchtdichte-Meßgerät, das am Okular einer Optik adaptiert wird. Distal wird über einen Adapter Licht eingeleitet. Die proximal austretende Lichtmenge ist der Meßwert. Die Anordnung wird zunächst referiert, d.h. mit dem Leuchtdichte-Meßgerät die Lichtmenge gemessen, die aus dem Adapter austritt. Hiermit werden Einflüsse aus der Leistung der Lichtquelle, den Verlusten des Lichtleiters und des Adapters berücksichtigt. Der so gemessene Meßwert wird zu 100% genommen. Er stellt den Referenzwert dar.
 
 

Wird eine Optik als Meßobjekt in den Meßkreis zwischen Lichteinspeisung und Meßgerät geschaltet, tritt zwangsläufig ein Nachlassen der gemessenen Lichtmenge auf, was im Verhältnis zum Referenzwert als individuelles Qualitätskriterium geeignet ist.
 
 

Bild 3: Typisches Schadensbild einer altersgemäß verschlissenen und eingetrübtenOptik
 
 

Über Meßreihen ist so der Transmissionsgrad eines Optiktyps zu bestimmen. Über weitere Meßreihen kann definiert werden, ab welchem Nachlassen der Transmission eine Optik als unbrauchbar (weil trübe) einzuschätzen ist. Des typische Bild des Inneren einer einer trüben Optik zeigt Bild 3.
 
 

Der Nachteil dieser Methode liegt im Aufwand des Meßaufbaus und in der Notwendigkeit, Grenzwerte selbst erarbeiten und festlegen zu müssen. Danach kann es als durchaus geeignet zur Feststellung des relativen Eintrübungsgrades gelten. Linsenbrüche sind mit diesem Verfahren jedoch nicht nachweisbar, da nur die als Folge des Bruchs auftretende Eintrübung meßtechnisch erfaßt wird.
 
 

Der Preis des Gerätes von ca. 1.700,- DM relativiert sich dann, wenn man analog zur Transmissionsmessung von Optiken das Gerät auch zur Messung von Lichtquellen und Lichtleitkabeln einsetzt, was über entsprechende Adaptersätze möglich ist. Bei diesen Messungen ist ein analoges Vorgehen wie bei den Optiken vorgesehen. Nachlassende Transmissionsleistungen relativ zu einem Ausgangswert sind meßbar.
 
 
 
 

4.3. Augenlupe
 
 

Bekannt, wenn auch nach meinem Kenntnisstand nirgends beschrieben, ist das Verfahren zur Untersuchung des optischen Linsensystems mit einer Augenlupe. Hierbei wird die (monokulare) Lupe vor das Auge genommen, das Endoskop gegen eine helle, reflektierende Fläche gerichtet und mit der Lupe in das Okularende des Endoskops geschaut. Stimmen die optischen Achsen (die des Auges mit der Lupe sowie die der Längsachse des Endoskops) exakt überein, gelingt dies. Durch Variation des Abstands Endoskop zum Auge (bei Beibehaltung der Achsenausrichtung) kann man durch die einzelnen Linsen im Endoskopinneren in die Optik hineinsehen. Durch Fokussierung auf eine Linsenoberfläche lassen sich Verunreinigungen nachweisen bzw. ausschließen. Durch Fokussierung in eine Linse lassen sich Linsenbrüche feststellen.
 
 

Das geschilderte Verfahren erfordert sehr viel Übung, da das Ausrichten der Seh-Achse zur optischen Achse des Endoskops mit zunehmender Entfernung vom Auge und größerer Baulänge des Endoskops schwieriger wird. Der Prüfer ermüdet sehr leicht, was auch auf die Blendungseffekt durch die Reflektionsfläche bzw. durch seitlich einfallendes Licht zurückzuführen ist.
 
 

Das Verfahren ist jedoch eindeutig als geeignet einzuschätzen, Linsenbrüche festzustellen. Stärkere verschleißbedingte Ablagerung sind ebenfalls nachweisbar und von Brüchen zu unterscheiden.

Bild 4: Endoskope mit Lupenrohr und Gleitstücken
 
 
 
 

4.4  Verfahren mit dem Lupenrohr
 
 

Dieses Verfahren stellt die Weiterentwicklung des Verfahrens mit der Augenlupe dar und ist auch von ungeübtem Personal anzuwenden. Die Vorrichtung besteht aus einem Hüllrohr, welches das Endoskop aufnimmt und an seinem proximalen Ende eine Lupe integriert hat. Ein Gleitstück, das über das äußere Hüllrohr des Endoskops geschoben wird, zentriert das Endoskop in der Vorrichtung und richtet es aus (vgl. Bild 4 und 5).
 
 

Durch Variation der Distanz zwischen Lupe und Okular kann innerhalb des Endoskops auf verschiedene Tiefen fokussiert werden. Dies erfolgt durch das Verschieben des Endoskops innerhalb der Vorrichtung.
 
 

Es lassen sich ermüdungsfrei die bereits mit der Augenlupe beschriebenen Schadensbilder nachweisen. Diese können über Video- oder Fotoadapter dokumentiert werden. Zustandsbeurteilungen Starrer Optiken sind von angelernten Mitarbeitern durchführ.
 
 

Linsenbrüche als Faktor, der die Höhe der Reparaturkosten bestimmt, lassen sich sehr gut und zweifelsfrei nachweisen.
 
 

Nachteilig bei diesem Verfahren ist, daß auch Verunreinigungen innerhalb der Linsen, die fertigungsbedingt unvermeidbar sind und bei allen Herstellern vorkommen (Einschlüsse, Luftblasen), sichtbar werden. Es ist also ein gewisses "Grundrauschen" auch bei fabrikneuen Optiken zu tolerieren. Dies gilt insbesondere im Randbereich der Linsen. Fremdkörper (Fusseln, lose Teile) und Verklebungen der Linsenoberflächen sind jedoch nicht zu tolerieren.
 
 

Weiterhin ist ein reproduzierbarer Meßwert, wie er als Relativwert bei der Transmissionsmessung ausgewiesen werden kann, nicht zu erzielen.
 
 

Der Preis dieser Vorrichtung liegt bei ca. 1.500,- DM.
 
 

5. Zusammenfassung und Beurteilung
 
 

Es wurden Verfahren geschildert, die es im Feld und außerhalb der Herstellerorganisationen erlauben, den Zustand Starrer Optiken zu beurteilen.
 
 

Das Verfahren zur Transmissionsmessung erscheint mir eher für den interessierten Techniker geeignet, der nach entsprechender Vorarbeit das Alterungsverhalten über das Nachlassen der Transmissionsleistung beurteilen will. Ergebnisse wie: "Optik 4711 hat nach X Sterilisationszyklen mit Verfahren Y um Z Prozent in ihrer Lichtleistung nachgelassen" sind möglich. Wie oben erwähnt, können solche Aussagen auch über andere optische Komponenten getroffen werden.
 
 

Bild 5: Endoskop im Lupenrohr
 
 

Aussagen über die Lebensdauer einer Optik (gewöhnlich definiert als die Anzahl Sterilisationszyklen bis zu ihrer Eintrübung) sind mit diesem Verfahren belegbar.
 
 

Die Weiterentwicklung der Augenlupe in Form des Lupenrohrs ist dagegen nicht zur Erzielung meßbarer Qualitätskriterien geeignet. Es erlaubt jedoch den schnellen Check, eine Beurteilung des Trübungsgrades und die Feststellung bzw. den Ausschluß eines Linsenbruches. Dieses Verfahren eignet sich eher für die Praktiker im Krankenhaus und da, wo Zweifel an den Reparaturklasseneinstufung bestehen.
 
 

Durch die Differenzierung zwischen altersgemäßen Einflüssen und unsachgemäßer Handhabung lassen sich während der Garantiezeit Ansprüche gegenüber dem Hersteller/Lieferanten durchsetzen. Dies ist ein unmittelbarer wirtschaftlicher Vorteil.
 
 

Bei entsprechender Erfahrung wird auch die Beurteilung der Reparaturqualität insbesondere bei Reparaturen durch Dritte möglich.
 
 

Die Vorrichtung Lupenrohr ist klein, handlich und läßt sich ohne Energieversorgung praktisch überall im Krankenhaus anwenden (nach OP, beim Eingang in den Aufbereitungsbereich bzw. vor dem Einschweißen in die Sterilisationsverpackung). Sie ist geeignet für eine erste Zustandsbeurteilung vor Abgabe an ein Reparaturunternehmen sowie für den Außendienst der Herstellerfirmen. Es lassen sich Linsenbrüche und altersgemäße Einflüsse feststellen und in ihrer Ausprägung beurteilen. Die Differenzierung zwischen sachgerechter und unsachgemäßer Nutzung gelingt.
 
 

Bei einem Reparaturaufkommen für Starre Endoskope >5.000,- DM p.a. bzw. einem Bestand von mehr als 5 Optiken erscheint die Beschaffung zumindest eines der beiden Prüfmittel bzw. (bei sehr seltenen Prüfvorgängen) die Einarbeitung in das Verfahren mit der Augenlupe sinnvoll.
 
 
 
 
 
 

Über den Autor:

Dipl. Ing. C. Hilger

Sachverständiger für Schäden an medizinischen Geräten und medizinisch - technischen Systemen sowie deren Bewertung

- öffentlich bestellt und vereidigt –

Keuloserstr. 75

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c.hilger@t-online.de
 

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